Loud & Proud since 1983

Fri-Son ist kein Club wie jeder andere, das spürt man schon beim Betreten des Lokals. Und spätestens wenn man die Chance hat, einen Blick in die Backstage-Bereiche zu werfen, versteht man warum der Freiburger Club gar als „legendär“ bezeichnet wird - man kann es an den Wänden ablesen, an all den Plakaten der Bands die schon hier gespielt und ihre Spuren hinterlassen haben.

Doch das Fri-Son ist mehr als seine Lokalitäten, mehr als Stein und Zement. Das Fri-Son ist vor allem eine Idee, eine Lebenseinstellung – eine Philosophie.

Hier bekommt ihr einen Einblick in die bisherige, bewegte Geschichte.

Prolog

Im Jahre 1983 fehlten eigenständige, autonome Kulturräume. In manchen Städten begannen Leute diese Räume einzufordern und trugen grosse öffentliche Kämpfe dafür aus, etwas in Zürich oder Genf. In Fribourg wählte man einen leicht anderen Weg.

1. Kapitel: Von der Rue de l‘Hopital bis zur Rue de l’Industrie

Der Grundstein des Fri-Son wurde im Februar 1983 im ehemaligen Bürgerspital gelegt (heute befindet sich dort eine Jugendherberge). Mit einem kleinen Budget, viel Engagement und vor allem viel Improvisation gestalteten die Pioniere erste Veranstaltungen mit einem Musikprogramm aus Punk Rock, Dark Wave, Funk und Improvisationskunst. Der Ort entwickelte sich innert Kürze zu einer Anlaufstelle für ein überregionales Publikum.

Dieses Kapitel fand jedoch ein jähes Ende: 1984 schlossen die Behörden diese ersten Räumlichkeiten des Fri-Son.

Es begann eine Zeit intensiver Öffentlichkeitsarbeit und langwieriger Verhandlungen. 1985 wurde eine heruntergekommene Industriehalle mit zwei Sälen in der Rue de l’Industrie 25 gefunden - nur wenige Schritte vom heutigen Lokal entfernt.

2. Kapitel Rue de l‘Industrie

Wieder mit limitierten Ressourcen aber umso mehr Engagement stürzte sich das Kollektiv in die Arbeit. Ungeachtet der finanziellen Lage entschied man sich, internationale Gruppen mit grossem Renommee zu engagieren. Aber auch andere Kunstformen wie Tanz oder Performance-Art fanden hier eine Bühne. Zusammen mit dem Verein Fri-Scène wurde die Halle 2c gegründet. Zu dieser Zeit liess sich bereits die Entstehung und der Aufstieg der DJ-Kultur beobachten, es sollte aber noch eine Weile dauern, bis diese fest ins Programm intergriert wurden und die ersten legendären DJ-Abende wie Free Soul! oder Free House! kreiert wurden.

In diesen Jahren funktionierte das Fri-Son dank vieler freiwilliger Helfer. Diese mussten mit knappen finanziellen Ressourcen haushalten, sich mit einer unzureichenden, technischen Infrastruktur, sowie einem ständig feuchten Keller oder fehlenden Heitzungsmöglichkeiten herumschlagen. Die grösste Herausforderung blieb jedoch, mit den begrenzten Mitteln die selbstgesetzten künstlerischen Ziele zu erreichen.

Doch all diese Probleme hielten weder die Vereinsmitglieder noch das Publikum davon ab, unvergessliche Moment im Fri-Son zu verbringenund so blicken auch heute viele Aktive mit Nostalgie auf diese erste Zeit zurück. Im Herbst 1987 musste man sich erneut der harten Realität stellen und die Gebäudlichkeiten an der Rue de l’Industrie verlassen. Der anschliessende Umzug in die Räume der Route de la Fonderie strapazierte das ohnehin schon limitierte Budget auf's Ärgste.

3. Kapitel: Fonderie 13

Im Juni 1988 begann das dritte Kapitel unter denkbar schlechten Voraussetzungen: Die Vereinsmitglieder erschöpft, die neuen Infrastrukturen dürftig und es fehlten Strukturen innerhalb des Vereins (das Fri-Son wurde zu dieser Zeit von mehreren Programmationsgruppen ohne gemeinsames Büro organisiert). Das Komitee beschloss deshalb, einen festen Arbeitsplatz zu schaffen. Die Räumlichkeiten der Fonderie 13 wurden mit einem Büro ausgestattet zwecks besserer Koordination und Organisation von Öffentlichkeitsarbeit, Programmgestaltung und Durchführung der Anlässe. Als nächstes musste man in Sachen technische Anforderungen über die Bücher: Die technische Infrastruktur sowie die Akustik des Saales musste verbessert werden um den Anforderungen der Bands und einem immer zahlreicher werdenden Publikum gerecht zu werden. 

Von Januar bis April 1992  - einer notabene Vorstellungsfeien Zeit - widmete sich das Vereinskomitee der Sensibilisierung sowohl der Autoritäten wie auch des Publikums: Diese Arbeit trug Früchte und das Fri-Son erhielt von der Gemeinde Fribourg einen einmaligen Kredit, um die technische und akustische Infrastruktur auf den gewünschten Stand zu bringen. Gleichzeitig wurde diese Zeit zur internen Reorganisation des Vereins genützt.

Zwei Jahre später stellte sich diese Neuorganisation jedoch als Fehler heraus: Das Kollektiv zerstritt sich über ideologische Ziele und es folgten interne Machtkonflikte. Durch die Entlassung eines fest angegstellten Programmators und Gründungsmitgliedes kam es schliesslich zum Eklat. 1993 verkamen  die zwei Generalversammlungen des Fri-Sons zu einem wüsten Tohuwabohu. In der Folge spaltete sich eine Minderheitsfraktion vom Verein ab und ein neues Komitee übernahm die Kontrolle über die Vereinsaktivitäten; dieses integrierte eine neue Generation, die schon seit mehreren Jahren ihr Interesse an Teilhabe bekundet hatte. Einmal gewählt, führte das neue Komitee gleich mehrere neue Reformen durch, darunter die grundlegende Neuerung, dass fortan die MItarbeiter und Mitarbeiterinnen in verschiedenen, autonomen Arbeitsgruppen agieren sollten.

4. Kapitel

1994 zeigte sich das Fri-Son in neuer Gestalt, welche dem heutigen Stand schon sehr nahe kommt und bis auf das Jahr Krisenjahr 1996 prosperierte das Fri-Son seither erfreulich vor sich hin.

Der Hauptsorgenpunkt blieb aber die Zukunft des Standortes Fonderie 13. Um ein 5. Kapitel in der Fri-Son-Geschichte abzusichern, schlossen sich einige Mitglieder des Vereins Fri-Son im Sommer 1999 zur Kooperative Fonderie 13 zusammen. Die Kooperative Fonderie 13 kaufte das Gebäude, renovierte es um vermietet es seither an den Verein Fri-Son.

Dieser kurze historische Abriss über die Geschichte des Vereins zeigt auf, wie Fri-Son sich über alle Entwicklungen und Veränderungen hinweg immer treu und die Grundidee dieselbe blieb: aus eigener Kraft, mit einem Höchstmass an Autonomie ein pointiertes musikalisches Programm auf Augenhöhe mit dem Zeitgeist zu präsentieren.

Photo by Jérémie Dubois

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