Sonntag 19.11.2017
Dark Folk

Matt Elliott UK

Sacromonte ES

Price: 
19.-
Price presales: 
17.-
Doors: 
17h
 
__ Info Showtimes __
Showtime Sacromonte: 18:00
Showtime Matt Elliott: 19:00
 

For fans of: The Third Eye Foundation, The Black Heart Procession, Tindersticks, Low

Fast schon wie ein Zeitgenosse Beethovens hört sich der Brite Matt Elliottzu Beginn des achten Albums unter eigenem Namen an. Die Art und Weise, wie er im kurzen Intro "A Beginning" seine Konzertgitarre zupft, erinnert an eine Fingerübung des italienischen Komponisten Mauro Giuliani.

Fröhlich geht es bei Elliott aber nicht zu. Ein in tiefen Gefilden rührendes Cello sorgt von Anfang an dafür, dass dieses Album, unter all den deprimierenden, die er veröffentlicht hat, besonders düster ausfällt. "I've got this headache for days / Here comes the rain / The first few drops caress & gently dance / ... / But soon the gentle drops become the deadly wolf of a gale / Our voices become lost beneath the chaos", singt er mit ruhiger, tiefer Stimme. Und meint damit nur im übertragenen Sinne das Wetter, sondern eine über ihn hereinbrechende Depression.

Schon immer hatte Elliotts Musik, ob eher folkig unter eigenem Namen oder tecnoid unter seinem Alter Ego Third Eye Foundation, direkten Bezug zum eigenen Seelenzustand, schon fast eine kathartische Wirkung. Das zeigt er eindrücklich in der knapp einstündigen Dokumentation "What A Fuck Am I Doing On This Battlefield" (2013), bei der er zum Schluss ein Stück auf der Gitarre spielt – und bei den letzten Noten weint.

Natürlich stellt sich die Frage, warum man sich als Hörer so etwas antun muss. Der Grund bliebt derselbe wie bei all seinen anderen Alben: die wunderbar einfachen, aber erschreckend eindringlichen Kompositionen, die er um seine Texte webt. Diesmal verzichtet er weitgehend auf Samples, auch wenn er wie gewohnt seine Stimme zu gewaltigen Chören aufbläht, die in ihrer Intensität schon fast Gehörschmerzen verursachen.

Stürmische Cellowinde blasen durch den Raum und bringen gespenstische Stimmen mit sich, die aus dem Jenseits zu stammen scheinen. Minutenlang, womit auch erklärt wäre, warum das Album nur sechs Stücke enthält, dennoch fast eine Dreiviertelstunde lang dauert.

Diesmal klingt Elliott weitgehend wie er selbst, als wolle er sich nicht mehr hinter Effekten verstecken. Hoffnung auf Erlösung gibt es freilich keine. Er sei Agnostiker, erklärt Elliott in der Doku. Es gebe sicherlich eine andere Dimension, die wir nicht verstünden, aber er glaube nicht an einen Gott. Dass ihm Religion suspekt ist, stellt er in "The Feast Of St. Stephen" klar. Liebe wäre toll, klar, aber gibt es sie wirklich ("I Only Wanted To Give You Everything")?

So bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu leben, mit der Hoffnung, doch noch einen Sinn zu finden. " My feet are bleeding to the bone / They’re cracked & worn / The skin is torn from such a long road / But there's still a long way to go", singt er im abschließenden Stück "The Allegory Of The Cave".

Doch im Gegensatz zu Platon, der durch fremde Hilfe, notfalls durch Zwang, einen Weg aus der Dunkelheit der Unkenntnis ins Licht der Wahrheit sieht, gibt es bei Elliott keinen Retter. " Eternity in the dark is such a long time / ... / The crushing pain, the endless void / Repeat the same painful mistakes or / Slowly rot into the soil / Oh darkness please whisper my name / Whisper the rules of this here game ", lauten die letzten Zeilen.

Rezenstion: laut.de